Glücklich leben und naturgemäß leben ist eins.
(Seneca)

Donnerstag, 23. Juli 2015

Naturpark Reinhardswald - jetzt doch?

Bereits 2011 gab es eine Initiative, die den Reinhardswald als Naturpark ausweisen lassen wollte. Wegen der Gesetzeslage scheiterte das Vorhaben jedoch an zu wenigen Landschafts- und Naturschutzflächen. Seither sind jedoch nach meiner Kenntnis keine weiteren Flächen dieser Art dazugekommen und dennoch soll es nun plötzlich möglich sein, den Reinhardswald als Naturpark zu deklarieren? Dem wollen wir doch einmal auf den Grund gehen.

Die schwarz/grüne Landesregierung plant derzeit offenbar eine Gesetzesänderung, die es möglich macht, dass zukünftig auch Flächen mit einer 'Erholungsfunktion für Besucher' für die Erfordernisse eines Naturparks anrechenbar sind. Das dürfte also so ziemlich auf jeden Wald im Allgemeinen zutreffen. Aber warum? Wenn dem Land ein Naturpark so wichtig ist, warum werden nicht einfach mehr Landschafts- und Naturschutzgebiete ausgewiesen? Warum bedient man sich hintenrum wieder irgendwelcher Tricks und Gesetzesänderungen, um mit einer schon immer dagewesenen 'Erholungsfunktion' per Gesetzesänderung einen Status zu erreichen, den der Wald eigentlich gar nicht verdient? Noch schlimmer, mit den zukünftigen Windradgiganten, der Abwasserpipeline und dem Salzsee dürfte der Reinhardswald sogar einiges an Erholungsfunktion gegenüber heute verlieren, ganz zu schweigen vom nicht unerheblichen Eingriff in die Natur uns sein Ökosystem.

Maßstabs- und standortgetreue Windkraftpläne bei der Sababurg

Nein, meiner Meinung nach steckt hinter dem Vorstoß der Landesregierung also keine Liebe zur Natur, sondern nichts weiter als glasklarer Populimus und Augenwischerei. Dem Bürger soll hier Umweltschutz aufgezeigt werden, der das Papier nicht wert ist auf dem er geschrieben steht und jederzeit den Bedürfissen von Lobby und Wirtschaft angepasst werden kann und angepasst werden wird.

Naturpark ist kein großes Naturschutzgebiet.


Sehen wir doch zuerst einmal nach, was ein Naturpark denn überhaupt ist. Dazu bediene ich mich der offiziellen Quelle im Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG). Dort steht unter § 27 Absatz 5 zu Naturparke:
Naturparke sind einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die
der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und ihrer Arten- und Biotopvielfalt dienen und in denen zu diesem Zweck eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird.


Hier ist also ganz klar die Rede von dauerhafter Landnutzung und Entwicklung durch den Menschen. Unter Landnutzung versteht man generell die Inanspruchnahme von Bodenflächen durch den Menschen. Außer den bereits ausgewiesenen Naturschutzflächen kann also der Mensch nach wie vor nach Belieben in die Natur eingreifen und das Land für seine Zwecke in Anspruch nehmen. So wundert es nicht, dass die Landesregierung auch im gleichen Atemzug den neu gepriesenen Naurschutz sofort wieder einschränkt und auf den Bau der Windradgiganten und der Salzpipeline besteht. Und der angedeutete Erhalt der Arten- und Biotopvielfalt dürfte auf eine Minimum an echtem Naturschutz zusammengestutzt werden, denn was heutzutage so alles als umweltgerecht gilt, das brauche ich wohl niemandem zu erzählen...

Wir bauen also trotzdem weiter


Wie ernst es die Grünen dazu mit Umweltschutz nehmen, hatte ich bereits seinerzeit hier geschrieben, als die eigene Position an der Macht jeglichen angeblichen Parteigrundsätzen ohne Zögern geopfert wurde.

Naturpark lässt grüßen

Ob der Reinhardswald nun also ein Naturpark wird oder nicht, wird rein gar nichts an der fortschreitenden wirtschaftlichen Priorisierung seiner Nutzung ändern. Die Politik wird weiterhin nichts unternehmen, um diesen Wald in seiner wirklichen Einmaligkeit zu erhalten, sondern immer nur auf kurzfristige wirtschaftliche Ziele, Lobbyinteressen und den eigenen Machterhalt schauen.

So lange das der Fall ist, kann man sich den Titel Naturpark meiner Meinung nach auch getrost sparen.

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