Glücklich leben und naturgemäß leben ist eins.
(Seneca)

Sonntag, 1. Dezember 2013

Kolumne - Advent, das jährliche Chaos

Seit Ende August haben Spaliere von Schokoladenweihnachtsmännern, Sonderposten von Spekulatius- und Dominosteinkisten und Palettenweise Christkindlmarktglühwein es bereits angekündigt: Weihnachten kommt. Gefühlt würde ich sagen, ist die Osterwaren gerade erst aus den Regalen verbannt worden, als schon die ersten Vorboten auf die besinnlichste Zeit des Jahres ihren Platz einnahmen. Reichlich Zeit also sich schon einmal auf die weihnachtliche Zeit zu freuen, bei der alle um den Tannenbaum versammelt sind, singen, Geschenke austauschen und sich die Bäuche vollschlagen, sofern sie sich seit August an dem Naschwerk noch nicht überfressen haben sollten.

Warum aber nur scheinen für viele Menschen gerade die letzten Wochen vor Weihnachten zu einem nicht zu unterschätzenden Stressfaktor zu werden? Kommt Weihnachten einfach zu plötzlich? Wohl kaum, schließlich winken uns, wie erwähnt, seit Ende August die Weihnachtsmänner aus den Regalen zu. Oder vielleicht doch gerade deswegen? Weil die Vorweihnachtszeit auf beinahe Halbjahreslänge gedehnt und uns somit unendliche Zeit bis zum Tag des Festes suggeriert wird? Ja, Geschenke kaufe ich bald...ist ja noch Zeit. Und so werden wir auch dieses Jahr wieder verzweifelte Mitmenschen am Heiligabend durch die Geschäfte hetzen sehen, die in allerletzter Minute noch ein persönliches Geschenk erstehen wollen - Geld schenken kann ja schließlich jeder.

Was genau feiern wir eigentlich?


Ich würde sagen wir feiern die Erfolge der Werbe- und Konsumindustrie. Schließlich schaffen die es immer wieder den Menschen Milliarden Euro für Dinge aus der Tasche zu ziehen, die oft unnütz sind oder kurz darauf wieder umgetauscht werden, weil sich die Menschen wohl doch nicht so gut kannten wie sie dachten. Geiz ist Geil gilt dabei höchstens für die Wahl der Einkaufsstätte, nicht jedoch für das Geschenkebudget. Es wird gekauft was der Ratenkredit hergibt, nur um einem Ideal von Musterweihnachtsmarionetten zu entsprechen und sich bloß nicht eingestehen zu müssen, dass man es vielleicht ein wenig übertreibt oder sich doch nicht so ganz leisten kann, was alles unter dem Baum liegt. Wer will schon gern bei der Prahlerei nach Heiligabend sagen müssen, er habe nur Kleinigkeiten bekommen oder am Ende so herrlich nützliche Dinge wie Socken oder eine neue Mütze. Nein, da müssen schon andere Kaliber her und natürlich immer mehr und teurer als das Jahr zuvor, schließlich soll Weihnachten jedes Jahr aufs neue das Fest der Rekorde werden.

Schaut man in die Zeitung, so funktioniert das auch. Jedes Jahr bricht der Handel die Umsatzrekorde des Vorjahres, die Weihnachtsmärkte boomen, zumindest bis auf die Stände der Kirchen, die werden immer weniger. Was die auch dort zwischen all den Suffbuden zu suchen hatten wollte sich mir nie so ganz erschließen, nahmen sie doch wertvollen Platz für einen weiteren Glühweinstand ein. Ja, Weihnachten ist heute weit mehr als ein beschauliches Miteinander, es ist das Fest der Superlative.

 

Früher war alles anders?


Oh ja, es war bei weitem nicht so eine Hektik in der ganzen Sache und der Konsum stand auch nicht so exzessiv im Vordergrund. Für viele ist Weihnachten nur noch eine lästige Pflichtveranstaltung , bei der man etwas zu feiern scheint, was man das ganze Jahr über nicht mal im Ansatz beachtet. Da quälen sich Menschen in die überfüllten Weihnachtsgottesdienste in die ansonsten gähnend leeren Kirchen, offenbar in der Hoffnung endlich vom Weihnachtsgedanken beseelt zu werden. Schenken und beschenkt werden findet in einer rituellen Weise statt, die oftmals das wahre 'Wollen' dahinter vermissen lassen und dass sich viel zu viele Menschen in diesen Tagen der Völlerei hingeben, ist hinlänglich bekannt.
Und kaum ist der ganze Spuk vorbei, kehrt man brav in den Alltag zurück, lässt die Kirchen wieder achtlos links liegen (schließlich will man Sonntags ausschlafen), kehrt zur gewohnten Büchsenernährung zurück und freut sich irgendwie insgeheim, dass man diesen Mist überstanden hat.

 

Wir können auch anders


Vielleicht sollten wir uns vorher einmal Gedanken machen, was wir denn überhaupt feiern wollen und vor allem wie, ehe wir einer Masse blindlings folgen. Egal ob christlich angehaucht, die Fier des traditionellen Lichterfestes oder was auch immer unser Gedanke dabei sein mag, wir können diese Tage des Jahres wirklich besinnlich gestalten, ohne Rummel, Zwang und Konsumorgien. Dann können wir dabei etwas mitnehmen, dass uns das ganze Jahr über erhellt und an das wir uns gerne erinnern. Und mal ehrlich, was gibt es schöneres als an einem kalten Wintertag im Advent im stillen Wald gemeinsam einen heißen Glühwein aus der Thermoskanne zu genießen, die Ruhe der Natur zu spüren und sich in dieser Stille auf ein Fest zu freuen, welches viel mehr sein kann, als was die heutige Zeit daraus gemacht hat....

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